Adventstee

Wie kurz im letzten Jahr der Advent war, neigen wir zu vergessen, wo es nach Fasching schon auf Ostern zugeht. Wünschen wir uns nicht oft mehr Zeit für Besinnung und Ruhe? Und besonders kurz schien diese Zeit gewiss im Jahr 2006, in dem der Adventstee der baltischen Ritterschaften erst am 9. Dezember, dem zweiten Adventswochenende stattfand. Wer möchte davor schon von Advent sprechen. Erst wenn die festlich gedeckten Tische die Mitglieder der Baden-Württembergischen Bezirksgruppe im traulichen Gespräch vereinen, erst wenn die Musik erklingt – in diesem Jahr von großen und heranwachsenden Flötenvirtuosen – erst wenn baltischer Stollen und Engadiner Nusstorte sowie gemeinsame Lieder das nahende Fest ankündigen, kann von Advent die Rede sein.

 

Besonders schöne Erinnerungen an unseren ersten Adventstee in Stuttgart rief die Tatsache wach, dass wir wieder zu Gast bei Baronin und Baron v. Heyking waren, in deren weihnachtlich geschmückten Räumen sich eine so große Zahl von Gästen versammelte, wie schon seit Jahren nicht mehr.

 

So wurde wieder einmal bewusst, dass die gefühlte Länge der Adventszeit sich eher danach bemisst, wie intensiv man dessen bedeutende Etappen erlebt. Die Kinder, die mit ihren bei Heykings selbst gebastelten Knusperhäuschen den Heimweg antraten, fragten, wie viel mal schlafen, bis Weihnachten. Fragen wir nicht schon, wie lange es noch ist, bis wir wieder Muße, Ruhe und Besinnung erleben, wie lange noch bis zum nächsten Adventstee?

 

Kerstin Lingen