Frauen: Picasso, Beckmann, de Kooning

Münchner Pinakothek der Moderne, 19.04.2012

Ewig lockt das Weib… und diesmal folgten nicht nur heißblütige Verehrer, sondern genau 25 Damen und Herren der Bezirksgruppe Bayern, die sich mitreißen lassen wollten durch die Schau dieser Ausnahmekünstler des 20. Jahrhunderts in ihrer Sichtweise auf alles Weibliche.

 

Die aktuelle Ausstellung (noch bis zum 15.7.2012) ist die Größte bisher in der Pinakothek der Moderne aus Anlass ihres 10- jährigen Bestehens und als glanzvolles Abschiedswerk ihrer Kuratorin Carla Schulz-Hoffmann.

 

Frau v. zur Mühlen nahm uns mit auf unserem Weg durch die vielseitige und vielschichtige Darstellung der Frau und stellte zu Beginn die Frage nach unserer Erwartung zum „Frauenbild“?

 

Suchten wir das exakte Portrait, wollen wir einen „Typus“, favorisieren wir das „Idol“?

 

Hier werden Frauen als Urbild oder als erotische Femme fatale, als in sich ruhende Geliebte oder als Ikone der Zeitgeschichte gezeigt.

 

Die Künstler malen alle ein sehr autonomes und starkes Frauenbild. Dadurch vermitteln sie nach außen etwas ganz anderes als das, was mit ihnen im Privatbereich als Klischee verbunden wird.

 

Picasso und Beckmann, nahezu gleichen Alters (geb. 1881 und 1884), ähnlich geprägt durch das Zeitgeschehen und doch komplett anders in Ausdruck und Wahrnehmung, spiegeln sensibel gesellschaftliche Probleme und Umbrüche.

 

Und de Kooning, noch einmal 20 Jahre jünger (1904), abstrahiert sein Frauenbild sehr stark zur eigenständigen Kraft seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit.

 

Die Bilder, die zeit- und inhaltlich um den 2. Weltkrieg herum entstanden sind, drücken mit jedem Pinselstrich den Inbegriff des Schmerzes aus. Es stellt sich die Frage, ob im Frauenbild eine Allegorie als Ideologie gedeutet werden kann, wenn wir bei Picasso im Bild der weinenden Dora Maar als Studie für „La Guernica“ auf die Formel kommen: Frau + Aggression = Kriegstreiberin?

 

Frau v. zur Mühlen zog zum Ende unseres Rundgangs die Parallele der Zeitreise der Künstler zur erlebten Vergangenheit der Balten mit Vertreibung und Umsiedlung.

 

Die wertvollen Gemälde - darunter auch „Die Umarmung“, das letzte Bild, das Picasso jemals gemalt hat (1972, ein Jahr vor seinem Tod) - sind aus aller Welt zusammengetragen worden. Die weiteste Anreise hatte de Koonings „Woman V“ aus dem australischen Canberra.

 

Mein Fazit: eine großartige Ausstellung, die mich auch im Nachhinein sehr bewegt und zum Nachdenken anregt in ihrem starken Ausdruck.

 

Dr. Barbara v. Ungern-Sternberg