Musikfreizeit 2015

Vom bayrischen Frühstück bir zur Begegnung mit dem Wolf

 

Die Musikfreizeit 2015 in Passau stand ganz unter dem Namen Jubiläum. Ein Teilnehmerhoch von über 17 Musikern fand sich von Freitag bis Mittwoch zusammen, um gemeinsam die insgesamt 20. Musikfreizeit zu gestalten. Instrumental konnte Dirigentin Anna v. Korff aus dem Vollen schöpfen. Prompt bot es sich an, einen wahren Klassiker auf dieser Freizeit musikalisch einzuüben: Sergej Prokofjews Peter und der Wolf. Dazu kam noch ein wenig Filmmusik aus der erfolgreichen Fantasy-Zaubereiwelt Harry Potter.

 

Bei so einer großen Orchesterbesetzung fehlt lediglich eine ordentliche Stärkung an jedem Tag. So holte Familie v. Glasenapp an einem Tag einen regionalen wie kulinarischen Klassiker aus der Trickkiste: das weltberühmte bayrische Frühstück mit Brezeln und Weißwürsten fand rasch seinen Weg in die Mägen der Musiker.

 

Um die Musiker wie jedes Jahr auch einmal von ihren Instrumenten zu trennen, und den Gastgebern ein paar ruhige Stunden zu geben, wurde die schwerste Stadtrallye in der Geschichte der Musikfreizeit von den Leitern entworfen. Neben lauter regionalen „Schmankerln“ wurden auch allgemeine Aufgaben gestellt, die mit willkürlich ausgesuchten Passanten bearbeitet wurden. Als Beweis und zur Vorstellung sollten die Kinder und Jugendlichen die Aufgaben per Handy aufnehmen. So konnten Leiter, Gastgeber und Musiker am letzten Abend gemeinsam einen gemütlichen Präsentationsabend genießen, bei dem lustige Selfies mit Osterhasen, kreative Tauschgeschäfte mit Fremden und packende Schubkarrenrennen in der Passauer Fußgängerzone vorgestellt wurden.

Wie jedes Jahr unternahmen wir natürlich auch wieder einen Ausflug. Das Besuchsziel war ebenfalls aus dem musischen Bereich, nämlich das Stadttheater Passau. Der 1773 eingerichtete kurfürstliche Theatersaal von Passau ist mit seinem Himmel, Wappen mit Stephanskreuz und den Logen wunderbar erhalten. Umso größer war der Schock des Hochwassers 2013, als das Untergeschoss bis 10cm unter der Bühne sich mit Wasser, Schlamm, Sand und Schmutz füllte und der Orchestergraben zum Wassergraben wurde.

 

Der Theaterdirektor Bazil Coleman führte- zusammen mit einer Sängerin unsere Musikertruppe durch sein mittlerweile für 3,5 Mio. € renoviertes Haus. Wir waren gegenseitig beindruckt: Unser Jugendorchester vom so lebendigen Theaterdirektor, der Theaterdirektor von der Gruppe, weil er so junge Musiker wohl noch nie geführt hatte.

 

Hinter der Theatergardine eröffnete sich eine neue Welt: Eine Bühnenmechanik mit gewaltigen stählernen Hebelarmen, Umkleideräumen, Frisierzimmern, die Maske, eine Schneiderei, eine Perückenmacherei, ein Kleiderfundus, eine Hutmacherin und eine junge Akrobatin, die sich von oben auf die Bühne fallen ließ, indem sie sich aus einer roten Schärpe auswickelte. Ein bühnenreifer Abschluss hinter den Kulissen des Theaters.

 

Und wie es nun einmal auf den Freizeiten der Baltischen Ritterschaften so üblich ist, wurden nach dem Abendessen die Tische weggeräumt, so dass der Kapellmeister die Française auflegen konnte. Egal ob Française-Fortgeschrittener oder –Anfänger, der Tanz und die Schrittfolge wurden noch einmal anfangs genauestens besprochen, schließlich wollte man sich am Konzerttag vor den Eltern und Verwandten nicht blamieren. Bevor dann jeden Abend um 22 Uhr die Anlage (laut der Leiter) überraschend und aus heiterem Himmel ihren Geist aufgab, wurden noch zu schnellen Rhythmen Friesenrock-Moves unter den Teilnehmern ausgetauscht.

 

So kam nun am Mittwoch der große, letzte und alles entscheidende Konzerttag. Die Anspannung war groß, denn man hatte sich ordentlich ins Zeug gelegt, um einem richtigen Jubiläumskonzert gerecht zu werden. Die Musiker spielten sich warm, während das Publikum langsam eintraf. Und mit dem ersten Schlag zum Auftakt von Dirigentin Anna v. Korff begann das Abschlusskonzert. Als Harry Potter auf dem Besen davongeflogen war, der Wolf von Peter gefangen und der letzte Ton verklangen war, applaudierte das Publikum heftig – zum einen für die tolle Leistung der Musiker, andererseits aber auch für die tolle Organisation aller Beteiligten der Musikfreizeit.

 

Ein weiteres Jubiläum: Als bleibendes Dankeszeichen für die mittlerweile elf Jugendfreizeiten in ihrem Haus wurde der Familie v. Glasenapp ein Aquarellgemälde, gemalt von Peter Korff, durch den Präsidenten der Baltischen Ritterschaften, Götz Baron v. der Ropp übergeben.

 

Auch viele Zuhörer beteiligten sich wie schon in den vergangenen Jahren mit kleinen Mitbringseln an diesem gelungenen Ausklang.

 

Abschließend sei allen Musikanten, sowie Leitern, Organisatoren, Unterstützern und Mitwirkenden herzlich gedankt für eine unvergessliche Jubiläumsfreizeit! Auf zu den nächsten 20 Jahren!

 

Moritz v. Vegesack