Musikfreizeit 2017

Bergen aan Zee vom 8.-15. April 2017

Bergen aan Zee?! Nordholland?! Ist das nicht ein wenig weit entfernt für uns von der Schweizer Grenze? Wie sollen die Kinder denn dorthin gelangen? Und dann wollen auch noch alle vier hin. Mit Geige, Flöte, Fagott und... Schlagzeug! Mit Schlafsäcken und Isomatten. Oje. Dann die Idee: Ich begleite die Kinder und verbringe die Woche an der Nordsee, wir fahren mit dem Auto, können dann noch weitere Musikanten auf dem Weg einsammeln.

 

Um es vorweg zu nehmen: Es wurde eine zehnstündige Fahrt, die aber sehr fröhlich verlief und sich ohne jeglichen Abstrich gelohnt hat für die wundervolle Woche, die folgte!

 

In Bergen, spätabends, erwartete uns das Ferienhaus von Peter und Anna Baron und Baronin v. Korff, ein entzückendes landestypisches Häuschen, oben auf einer Düne gelegen, drei Minuten vom Strand entfernt. Alle anderen waren bereits eingetroffen: Peter und Anna Korff als die bewährten Hauptverantwortlichen, ihre Tochter Kitty v. Korff-Raderschall und Dorothee Gräfin v. Keyserlingk als Küchenfeen sowie Alexandra Freifrau v. Erffa als musikalische Co-Leiterin. Und natürlich die Kinder, die überall herumwuselten: Insgesamt 24 Kinder nahmen an der Freizeit teil, ein absoluter Rekord. Bewundernswert, wie die erwachsenen Leiter mit Hilfe der jugendlichen Betreuer die Schar bei Laune hielten. Eng war es, aber die Stimmung war durchweg ausgezeichnet, entspannt und heiter. Ich hatte mich im Nachbarort eingemietet und konnte so aus der nahen Ferne das Treiben zeitweise beobachten. Man konnte vorbeikommen, wann man wollte, es waren stets fröhliches Lachen, Klänge der unterschiedlichsten Musikinstrumente (anfangs noch etwas schief, mit den Tagen immer harmonischer) oder der Française zu hören und Kinder zu sehen, die mit glücklichen Gesichtern durch die Gegend rannten, Knotentanz übten oder konzentriert ihr Instrument bearbeiteten. Tagsüber wurden in mehreren Übungseinheiten das Kindermusical „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ von James Krüss sowie weitere Stücke einstudiert - erst in den verschiedenen Instrumentenfamilien, dann alle zusammen -, abends wurde selbstverständlich getanzt, sehr zum Ergötzen der Nachbarschaft, die sich ihre Nasen an den Fensterscheiben plattdrückte, wenn sich die Reihen entlang des Strandwegs formierten und die jungen Herren sich im „grand compliment“ vor ihren Damen verbeugten. So etwas hatte Bergen aan Zee noch nicht erlebt!

 

Zusätzlich aufgelockert wurde das Programm durch das Lenkdrachensteigen, das Peter Korff anbot, durch eine von den jugendlichen Betreuern organisierte Bergen-Rallye und durch Ausflüge zum Schloss des Grafen von Egmont und zur Stiftung „Hortus Bulborum“, die über 4000 verschiedene Tulpen-, Narzissen- und Hyazinthensorten vorstellt und sich dabei besonders auf die Kultivierung alter Sorten (die älteste stammt aus dem Jahr 1577) spezialisiert. Eine wahre Pracht, die auch den Kindern viel Freude bereitete. Überhaupt war der April ideal, da die Tulpen im ganzen Land in voller Blüte standen.

 

An Karfreitag fand dann das phänomenale Abschlusskonzert statt, zu dem in großer Zahl Eltern und Großeltern angereist waren. Die Kinder hatten sich mit Hemden und Blusen für den Auftritt feingemacht, die Instrumente waren gestimmt, das Publikum erwartungsfroh. Baron v. Mirbach beispielsweise war gekommen, um gleich sieben seiner Enkelkinder dort musizieren zu hören. Und niemand wurde enttäuscht: Die reizende Geschichte vom jungen Hasen Lodengrün, der trotz böser Intrigen den Sängerwettsteit gewinnt und die liebliche Hasenprinzessin zur Frau bekommt, wurde witzig und gekonnt dargeboten und erheiterte und begeisterte das Publikum. Anschließend standen die Française, Troika und Vengerka sowie ein Stück Filmmusik aus „Fluch der Karibik“ und das fulminante „Pomp and Circumstance“ auf dem Programm, danach gab es das traditionelle Buffet und Tanz im Garten.

 

Der Dank, der den Organisatoren gebührt, lässt sich kaum in Worte fassen. Alles hat perfekt geklappt. Dorothea Keyserlingk und Kitty Korff haben täglich dreißig Personen bekocht und verköstigt. Anna Korff leitete die Musiker in gewohnt professioneller Weise an, mahnte zu vermehrtem Üben, lobte und gab Hilfestellung, tatkräftig unterstützt durch Alexandra Erffa, die sich besonders um die Streicher verdient machte. Peter Korff reparierte Musikinstrumente und Fahrräder, baute Lenkdrachen, fuhr zum Einkaufen und behielt den Überblick. Die jugendlichen Betreuer Elisabeth und Niko Erffa sowie Tassilo und Aurora Korff wurden für ihren Einsatz, den sie mit viel Engagement versahen, gelobt.

 

Aber das Beste zum Schluss: Unser Jüngster, der bislang sein Fagott lieber in der Tasche als an der Lippe sah, hat große Freude am Spielen gefunden. „Mami, Musik macht ja richtig Spaß! Schade, dass die Musikfreizeit nur einmal im Jahr stattfindet. Das war das Allerschönste, ich möchte unbedingt nächstes Jahr wieder hin.“ Wenn das nicht motiviert!

 

Allen Eltern kann ich nur wärmstens empfehlen: Schicken Sie Ihre Kinder im nächsten Jahr zur Musikfreizeit! Leider wird sie nicht wieder in Bergen aan Zee stattfinden, aber der Ort ist nicht wichtig.

 

Wichtig ist das Miteinander der Kinder, die Gemeinschaft, die sie erleben, die Freude, die sie am Musizieren, am Tanzen, auch am Mithelfen (Küchendienst!) entwickeln, die Freundschaften, die sie schließen.

 

Diese Gelegenheit, baltisches Leben musikalisch zu erleben, ist einmalig, nutzen Sie sie! Denn tatsächlich: Auch der weiteste Weg lohnt sich!

 

Nicola Korff