Bezirksversammlung 2022

Die Bezirksversammlung 2022 in der „neuen“ Bezirksgruppe „östliche Bundesländer“, in der sich die beiden bisherigen Gruppen Berlin-Brandenburg-nördliches Sachsen-Anhalt und Sachsen-Thüringen-südliches Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen haben, fand im Privathaus des Vorsitzenden, Falk v. Samson, und seiner Frau Dorrit statt. Mehr als 20 Zuhörer lauschten zu Beginn des Treffens einem Vortrag von Marie v. Manteuffel-Wipfler über ihren sechsmonatigen Einsatz für Ärzte ohne Grenzen in Libyen.

 

In einem ungemein engagiert und lebhaft vorgetragenen Bericht trug Marie v. Manteuffel-Wimpfler ihre Eindrücke über die Tätigkeit der Ärzte ohne Grenzen vor, in deren deutscher Sektion sie als politische Referentin für Flucht und Vertreibung hauptamtlich beschäftigt ist. Nach einer ausführlichen Darstellung der Aufgaben und Ziele dieses humanitären Zusammenschlusses, schilderte sie in beeindruckenden Worten ihre persönlichen Eindrücke in einem von Willkür und politischem Chaos beherrschten Land, das seit dem Sturz des „starken“ Mannes Muammar al-Gaddafi nicht zur Ruhe gekommen ist.

 

Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen wurde 1971 in Frankreich von Ärzten des Internationalen Roten Kreuzes gegründet. Die Ärzte wandten sich gegen die strikte ärztliche Schweigepflicht, die ihnen verbot, über das menschliche Elend nach dem Krieg in Biafra im heutigen Nigeria zu sprechen. Ihr Ziel war, Menschen in Not eine Stimme zu geben und sich für die Respektierung des humanitären Menschenrechts einzusetzen. Dabei werden Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Neutralität als Prinzipien verfolgt und medizinische Hilfsarten von Basismedizin bis zur psychologischen Betreuung geleistet. Die vor allem in Afrika, Asien oder Süd- und Mittelamerika geleisteten Einsätze werden fast ausschließlich durch Spenden finanziert.

 

Bei ihrem sechsmonatigen Einsatz in Libyen von September 2021 bis Frühjahr 2022 hatte Marie v. Manteuffel-Wimpfler die Aufgabe, mit ihrem Team den weitgehend rechtlosen ausländischen, vorwiegend aus anderen afrikanischen Ländern stammenden Arbeitern in Libyen zu helfen. Diese Arbeiter werden zwar von den arbeitsscheuen Libyern ins Land geholt, dort aber schon durch ihre Einreise kriminalisiert, weil sie keinen legalen Aufenthaltsstatus erhalten. Dadurch unterliegen sie der Willkür der Machthaber und werden bei geringstem Anlass in Lager gesteckt, in denen Krankheit und Folter bei unmenschlichen Bedingungen herrschen. Ziel von „Ärzte ohne Grenzen“ ist, die Menschen in den Lagern zu behandeln, ihre Freilassung oder die Einweisung in eine Privatklinken zu erwirken.

 

Dabei ist die Organisation die einzige internationale Einrichtung, die in Libyen etwas bewirken kann, weil UN-Kräfte zwar im Land vorhanden sind, aber keinerlei Befugnisse ausüben können und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR kein Mandat in Libyen hat.

 

Tief beeindruckt von diesem bewegenden Vortrag, der nur durch die engagierte und viel Charme ausstrahlende Referentin die Zuhörer nicht in Beklemmung verfallen ließ, stärkte man sich anschließend bei Kaffee, Tee und einem köstlichen Kuchenbuffet, bevor die offizielle Bezirksversammlung begann. Beschlossen wurde u.a., dass der Vorstand erst in einem Jahr neu gewählt wird. Die Bezirksgruppe kann sich außerdem erneut auf ein vielseitiges Jahresprogramm freuen.

 

Schade nur, dass die Jugend und mittlere Generation so wenig vertreten war. Auch auf sie hätte dieser Nachmittag einen unvergesslichen Eindruck gemacht.